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Makibefo (1999)

Für sein Spielfilmdebüt arbeitete Alexander Abela mit den Einwohnern eines Fischerdorfes an der südlichen Spitze von Madagaskar. Die wenigsten von ihnen hatten jemals vorher einen Film gesehen. So entstand eine ganz außergewöhnliche Version von Shakespeares Macbeth. Der Film erzählt mit einfachen Mitteln, viel Improvisation und einer spannenden Fotografie die blutige Geschichte eines Mannes auf dem Weg zur Macht.

Alexander Abela wurde 1965 in Coventry geboren. Er arbeitete mehrere Jahre als Ozeanograph, bevor er 1997 beschloß, ins Filmfach zu wechseln. Für seinem zweiten Spielfilm, Souli (2004), kehrte Alexander Abela nach Madagaskar zurück und inszenierte dort mit Eduardo Noriega, Makena Diop und Aurélien Recoing seine Bearbeitung von Shakespeares Othello.

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Pressestimmen

Das Rauschen der Wellen eröffnet den Film. Ein Mann nimmt einen Folianten zur Hand und eröffnet das Stück, als wäre es die Oral History seines Volks. Erbfolgeintrigen, ein Königsmord, ein zur Neurose gerinnendes schlechtes Gewissen: Wie gut passt dieses Stück in eine traditionelle Gesellschaft, in der Sukzession tatsächlich noch eine wichtige Rolle spielt. Gerade indem Makibefo das Stück sehr orthodox und nah an der literarischen Vorlage umsetzt, bekommt der Film seine ethnografische Beschreibungsdichte. So trägt König Makibefo die Herrschaftsinsignien seines Volkes — ein kleines Hütchen auf der Stirn —, und die Opferung eines Zebuochsen passiert ohne Angst vor einem Tabubruch vor laufender Kamera. Nur das beständige Rauschen des Meeres und das von der Sonne fahle Schwarzweiß erinnert ab und an daran, dass die Geschichte ursprünglich im regnerischen Schottland spielt. Deutlich aber wird auch hier wieder der tatsächliche Shakespeare-Universalismus: In Makibefo setzt das kleine Gemeinwesen nach dem Königsmord die Erbfolge neu an und findet damit die Stabilität wieder, die ihr Fortbestehen garantiert.
Bert Rebhandl, die tageszeitung

Comments

Jörg Teubner, Berlin
Makibefo ist ein spannendes und formal weitgehend gelungenes filmisches Experiment, das die Allgemeingültigkeit Shakespeare´scher Dramen mal wieder deutlich vor Augen führt. Nicht nur für eingefleischte Freunde des Barden ein Genuss. Die Eröffnungssequenz in den Dünen ist visuell atemberaubend.

Rebekka Rohleder, Hamburg
Der Film beeindruckt allein schon durch seine Ästhetik und die Leistung der Schauspieler – immerhin fast durchgängig Laiendarsteller. Spannend ist auch, wie die Dynamik der Konflikte, die in “Macbeth” ja ganze Königreiche betreffen, funktioniert, wenn sie auf eine kleine Dorfgemeinschaft übertragen wird, wo alle Beziehungen auch persönliche Beziehungen beinhalten. (Wobei man in “Macbeth” die größeren Zusammenhänge zeitweise durchaus auch aus den Augen verlieren kann.)
Die kreative Übertragung der Handlung aus der mythischen schottischen Vergangenheit in eine andere ebenso mythische Vergangenheit funktioniert beeindruckend gut.

Zeno Ackermann, Stuttgart
Ein toller Film. Weder wird Shakespeare einfach “interkulturell” dekliniert noch wird das exotische Potential des Settings ausgebeutet. Wir boebachten nicht so sehr eine fremde Kultur, sondern eher eine neuartige Kunst, “Macbeth” zu spielen. Diese Kunst kommt mit sehr wenig Sprache aus, was der Geschichte eine große Intensität verleiht. Wichtig sind dabei nicht nur die Gesten und die Mimik der Schauspieler, sondern auch die Geräusche und Klänge. Überraschend ist, wie gut und überzeugend die Geschichte in diesem neuen artistischen Rahmen funktioniert. Auf aufschlussreiche Weise “fremd” sind nicht die Schauspieler und ihre Kultur, sondern der Stoff, den sie — trotz allem nah am Plot Shakespeares — spielen. Toll: die wortlose und trotzdem intensive Beziehung zwischen Makibefo und seiner Lady. Ein Film, dessen Atmosphäre im Kopf präsent bleibt. Viel mehr als eine Fußnote für postkoloniale “Shakespeareans”…

Universitätsbibliothek Siegen, Elke Schauß
Vielen Dank für die DVD. Lieferung u. Rechnung OK.

Klaus Dirschauer, Bremen
Der Reiz dieser Macbeth-Inszenierung liegt für mich gerade darin, dass es dabei nicht um einen bloß sprachlichen Shakespeare-Transfer geht, etwa so wie bei einem Gastspiel, sondern um eine Übersetzung, die sich der Grenzen und Möglichkeiten voll bewusst ist. Wobei diese gerade in den Grenzen der Sprache gelungen erscheint. Die magische Welt des 16./17. Jahrhunderts mit dem Zauber, den Vorzeichen, Gesichtern und den Gesängen und Tänzen wird nicht inszeniert, sie ist bereits (schon und noch) präsent. Diesem magischen Eingebundensein des Lebensgefühls und Rechtbewusstseins entspricht allerdings eine andere Sprachlichkeit, denn nicht das Denken ist das Dominierende. In der kulturellen Verfremdung ist Makibefo einfach sehenswert.

Michael Füchsle, Gymnasium Parsberg
Fantastische Verfilmung eines uralten Klassikers – kenne den Film bereits seit langem – bestens geeignet als Gesprächsanlass und Interpretationshilfe für Macbeth.

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